Überblick

Das „Centrum für reflektierte Textanalyse“ (CRETA) konzentriert sich auf die Entwicklung von technischen Methoden und allgemeinen Arbeitsablauf-Methoden zur Textanalyse im Forschungsbereich der Digital Humanities. Die Methoden sollen fachübergreifend für textanalytische Fragestellungen aus der Literatur-, Sprach-, Geschichts- und Sozialwissenschaft sowie Philosophie erarbeitet und eingesetzt werden. Dabei sollen die Methoden in ihrer Funktionsweise nachvollziehbar gemacht werden, um im Zusammenspiel mit Datenvisualisierung und Computerlinguistik durch die Anwenderinnen und Anwender reflektiert eingesetzt werden zu können.

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Das Untersuchen von Forschungsfragen aus dem Bereich der Digital Humanities (Übers.: „digitale Geisteswissenschaften“) erfordert sowohl innerhalb eines Fachs als auch über die ganz unterschiedlichen Fachdisziplinen hinweg die Bearbeitung wiederkehrender, sich ähnelnder Teilfragestellungen. Das Konzept hinter CRETA baut auf dieser grundsätzlichen Gleichartigkeit von Teilfragestellungen bzw. Arbeitsschritten auf. Beispielsweise taucht die Aufgabe, in Texten die handelnden Figuren oder Organisationen zu erkennen und deren Beziehungen zueinander festzustellen, in geschichtswissenschaftlichen wie auch in sprach-, literatur- oder sozialwissenschaftlichen Gesamtfragestellungen auf.

Wiederkehrende Teilaufgaben sollen innerhalb CRETA identifiziert und als einzelne komputationelle Bausteine modelliert werden. Dabei ist das Ziel, dass ähnliche Teilaufgaben – nach einfachen Anpassungen – mit demselben Baustein (halb-)maschinell bearbeitet werden können. Ein solcher wiederverwendbarer Baustein soll helfen, Inhalte aus unübersichtlich großen Datenmengen zu erschließen. Die Anpassbarkeit ist zu berücksichtigen, da einerseits die Eigenheiten der Texte variieren und andererseits die speziellen fachdisziplinären Ansprüche an die Teilaufgabe. An diese Bedingungen ist der technische Methodenbaustein jeweils anzupassen, um die Ergebnisse zu optimieren. Beim Ineinandergreifen der technisch unterstützten mit den klassischen Analyseschritten wird in CRETA auf Nachvollziehbarkeit geachtet, so dass deren Zusammenspiel kritisch reflektiert werden kann, um mögliche Fehlinterpretationen aufzudecken und Bausteine entsprechend zu modifizieren.

Das systematische Identifizieren von sinnvollen Teilaufgaben findet anhand ausgesuchter, authentischer Forschungsfragen in kontinuierlicher Absprache zwischen Modellierungsexpertinnen und -experten und Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen statt. Dabei soll eine generelle Methodik und ein besseres gegenseitiges Verständnis für theoretische Fragestellungen, deren Umsetzung in Teilaufgaben für komputationelle Modellierungen und für den Umgang mit technischen Hilfsmitteln entwickelt werden.

Neben disziplinübergreifenden Methoden zu Arbeitsabläufen werden technische Methoden und Werkzeuge in CRETA erarbeitet und eingesetzt: für die Evaluation der Qualität bei der Aufgabenbearbeitung, für das Finden möglicher Fehler und für das Gruppieren und die Überprüfung der Plausibilität von Ergebnissen. Hier kommt eine Kombination aus analytischen Hilfswerkzeugen und interaktiver Ergebnisvisualisierung zum Einsatz. Dabei sollen Zwischenergebnisse automatischer Verfahren nachvollziehbar gestaltet werden, um auch unerfahrenen Nutzerinnen und Nutzern technischer Hilfsmittel eine Einschätzung ihrer Verlässlichkeit zu ermöglichen.

Im Endergebnis entwickeln CRETA’s Beteiligte in Kooperation eine gemeinsame, fachübergreifende Methodik, die technische Möglichkeiten integriert, alternative Blickwinkel eröffnet und eine tiefe, mehrfach informierte und reflektierte Textanalyse fördert.

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CRETA wird unter dem Förderkennzeichen 01UG1601 im Förderbereich eHumanities vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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